Achtung, Drohnenpiloten! Diese Richtlinien sind hilfreiche Tipps auf Basis von Erfahrungen, aber sie sind nicht rechtlich bindend. Sie ersetzen nicht die offiziellen Drohnengesetze, die wir alle befolgen müssen. Sie dienen nur dazu, uns das Fliegen zu erleichtern und sicherer zu fliegen.
VLOS Distance: Wie weit darf ich meine Drohne fliegen?
ALOS, DLOS und die EASA-Formeln einfach erklärt

Seit der Einführung der neuen EASA Drohnenregeln im Jahr 2021 hat man mittlerweile einiges an Erfahrung gesammelt. Diese Erfahrungen will die EASA nun mit allen Beteiligten teilen. Dazu haben sie die Guidelines on operations in the open and specific category am 31.01.2024 veröffentlicht.
In diesem Blogbeitrag möchten wir dir die Berechnung der sogenannten VLOS Distance einmal näher bringen – mit konkreten Formeln, Beispielrechnungen und einer Tabelle für alle gängigen DJI Drohnen.
Technische Details

Fluggerät:
DJI Matrice 4T / 4E
Startgewicht:
1219 g
Abmessungen:
Gefaltet: 260,6 × 113,7 × 138,4 mm (L × B × H) Ausgefaltet: 307,0 × 387,5 × 149,5 mm (L × B × H)
Max. Steiggeschwindigkeit:
10 m/s 6 m/s (mit Zubehör)
Max. Sinkgeschwindigkeit:
8 m/s 6 m/s (mit Zubehör)
Horizontale Höchstgeschwindigkeit:
21 m/s vorwärts fliegend 18 m/s rückwärts fliegend 19 m/s seitwärts fliegend

Fluggerät:
DJI Mavic 4 Pro
Startgewicht:
1490g
Abmessungen:
Max. Steiggeschwindigkeit:
Max. Sinkgeschwindigkeit:
Horizontale Höchstgeschwindigkeit:

Fluggerät:
DJI Neo
Startgewicht:
135 g
Abmessungen:
130×157×48.5 mm (L×W×H)
Max. Steiggeschwindigkeit:
0.5 m/s (Cine mode) 2 m/s (Normal mode) 3 m/s (Sport mode)
Max. Sinkgeschwindigkeit:
0.5 m/s (Cine mode) 2 m/s (Normal mode) 2 m/s (Sport mode)
Horizontale Höchstgeschwindigkeit:
6 m/s (Normal mode) 8 m/s (Sport mode) 16 m/s (Manual mode)
Was ist die VLOS Distance?
Als gut ausgebildeter Drohnenpilot der offenen Kategorie weißt du bestimmt, dass man die Drohne grundsätzlich innerhalb der VLOS (Visual Line of Sight), also innerhalb der persönlichen Sichtweite, fliegen muss.
Das bedeutete bisher, dass der Drohnenpilot dazu in der Lage sein muss, seine Drohne klar zu sehen, diese von Hindernissen oder anderen Luftfahrzeugen oder unbeteiligten Personen fernzuhalten und diese nicht zu gefährden.
In der Praxis war es dann meistens so, dass man durchaus so weit geflogen ist, bis die Drohne nur noch als kleiner, dunkler Punkt zu erkennen war. Bei einer DJI Mavic 3 können das dann schon mal locker 600–900 m gewesen sein.
Aber wenn man ehrlich zu sich selber ist: Egal wie gut die eigenen Augen sind, man kann die Drohne schon bei der Hälfte der Entfernung nicht mehr ganz eindeutig erkennen – zumindest nicht die genaue Ausrichtung und die Details.
Dazu kommen weitere Faktoren, welche die VLOS Distance beeinflussen:
Meteorologische Sichtweite – die EASA empfiehlt ein Minimum von 5 km
Größe der Drohne – eine kleine Drohne ist nicht so gut zu sehen wie eine 2-m-Drohne
Aussehen der Drohne – dunkle Drohne vor dunklem Hintergrund, Beleuchtung, Bemalung etc.
Deshalb hat die EASA mit Hilfe des LBA Formeln entwickelt, mit denen man die VLOS Distance berechnen kann.
Die VLOS Distance ist ein Referenzwert, der dir helfen soll abzuschätzen, wie weit du deine Drohne tatsächlich sehen kannst.
ALOS und DLOS erklärt
ALOS (Attitude Line of Sight) bezeichnet die maximale Distanz, bis zu der ein Pilot die Position und Orientierung der Drohne eindeutig erkennen kann. Die ALOS basiert hauptsächlich auf der Größe der Drohne.
DLOS (Detection Line of Sight) bezeichnet die Distanz, bis zu welcher andere Luftfahrzeuge erkannt werden können und gleichzeitig auch noch ausreichend Zeit zur Verfügung steht, diesen auszuweichen.
Die VLOS Distance ist der kleinere Wert von ALOS und DLOS.
Die Berechnung der VLOS Distance
ALOS-Formel
ALOS [m] = 327 × CD [m] + 20 m
CD steht für Characteristic Dimensions, also die Abmessungen der Drohne. Bei Multicoptern ist das in der Regel der Durchmesser. Die Einheit ist Meter.
DLOS-Formel
DLOS [m] = 0,3 × GV [m]
GV steht für Ground Visibility, also die Sichtweite am Boden. Die EASA empfiehlt ein Minimum von 5 km Flugsicht, erlaubt aber maximal 5 km als Eingabewert. Die DLOS wird also maximal 1.500 m groß.
Die Ground Visibility kannst du vor Ort mit Hilfe von Landmarken oder einem Transmissometer bestimmen. In der Nähe eines Flugplatzes findest du den Wert auch über das METAR.
VLOS Distance bestimmen
VLOS Distance = der kleinere Wert von ALOS und DLOS
Beispielrechnung: DJI Mavic 3 Pro
Nehmen wir als Beispiel eine DJI Mavic 3 Pro mit einer ausgeklappten Abmessung von 0,3475 m:
ALOS = 327 × 0,3475 + 20 = 133,6 m ≈ 134 m
Bei einer Sichtweite von 5.000 m ergibt sich:
DLOS = 0,3 × 5.000 = 1.500 m
Der kleinere Wert ist die ALOS mit 134 m. Das bedeutet: Du kannst deine Mavic 3 Pro laut EASA-Empfehlung nur ca. 134 m weit wegfliegen.
Zum Vergleich: Die DJI Mini 4 Pro ist mit 0,373 m sogar etwas breiter, was zu einer ALOS von ca. 142 m führt. Überraschend: Mit der Mini 4 Pro kannst du theoretisch weiter fliegen als mit der Mavic 3 Pro!
ALOS-Tabelle: Alle wichtigen DJI Drohnen
| Modell | CD (m) | ALOS (m) |
|---|---|---|
| Mini 4 Pro | 0,373 | 142 |
| Mini 3 (Pro) | 0,363 | 139 |
| Phantom 4 RTK | 0,350 | 134 |
| Air 3 | 0,326 | 127 |
| Air 2S | 0,302 | 119 |
| Mavic 3 Pro / Classic | 0,348 | 134 |
| Avata | 0,180 | 79 |
| Inspire 3 | 0,695 | 247 |
| M30 | 0,668 | 238 |
| M300 / M350 | 0,895 | 313 |
| FlyCart 30 | 2,200 | 739 |
DLOS-Tabelle nach Sichtweite
| Sichtweite / GV (m) | DLOS (m) |
|---|---|
| 500 | 150 |
| 1.000 | 300 |
| 1.500 | 450 |
| 2.000 | 600 |
| 2.500 | 750 |
| 3.000 | 900 |
| 3.500 | 1.050 |
| 4.000 | 1.200 |
| 4.500 | 1.350 |
| 5.000 | 1.500 |
Fazit: Was bedeutet die VLOS Distance für die Praxis?
Die Größe der Drohne ist meistens der einschränkende Faktor bei der Bestimmung der VLOS Distance. Die berechneten Distanzen sind deutlich kleiner, als man es bisher in der Praxis gehandhabt hat.
Was kannst du damit anfangen?
Stelle deine maximale Flugdistanz und Höhe auf deine VLOS Distance ein – damit bist du auf der sicheren Seite
Beachte: Wenn die VLOS Distance unter 120 m liegt, gilt das auch für die Flughöhe
Nutze die Berechnung als Orientierungswert und schärfe deine Awareness
Die Berechnung ist ein guter Hinweis, aber Faktoren wie Umgebung (dünn oder dicht besiedelt), Topographie und die Erfahrung des Piloten werden nicht berücksichtigt.
Häufige Fragen zur VLOS Distance
Was bedeutet VLOS Distance bei Drohnen?
Die VLOS Distance (Visual Line of Sight Distance) ist ein von der EASA empfohlener Referenzwert, der angibt, wie weit ein Drohnenpilot seine Drohne maximal fliegen sollte, um sie noch sicher erkennen und steuern zu können. Sie berechnet sich aus dem kleineren Wert von ALOS (basierend auf Drohnengröße) und DLOS (basierend auf Sichtweite).
Wie berechne ich die VLOS Distance für meine Drohne?
Berechne zuerst die ALOS mit der Formel: ALOS = 327 × Drohnendurchmesser + 20 m. Dann die DLOS: DLOS = 0,3 × Bodensichtweite (max. 5.000 m). Die VLOS Distance ist der kleinere der beiden Werte.
Wie weit darf ich mit einer DJI Mini 4 Pro fliegen?
Nach der EASA-Berechnung ergibt sich für die DJI Mini 4 Pro eine ALOS von ca. 142 m. Bei guter Sicht ist die ALOS der limitierende Faktor – die empfohlene maximale Flugdistanz liegt also bei etwa 142 m.
Wie weit darf ich mit einer DJI Mavic 3 Pro fliegen?
Die DJI Mavic 3 Pro hat einen Durchmesser von 0,3475 m, was eine ALOS von ca. 134 m ergibt. Überraschenderweise ist das weniger als bei der kleineren Mini 4 Pro, da die Mavic 3 im ausgeklappten Zustand schmaler ist.
Ist die VLOS Distance rechtlich bindend?
Nein. Die EASA Guidelines sind Empfehlungen auf Basis von Erfahrungswerten, keine verbindlichen Vorschriften. Sie sollen Piloten helfen, sicherer zu fliegen, ersetzen aber nicht die geltenden Drohnengesetze.
Über den Autor: Jan Evers
Jan Evers ist ein herausragender Personal Coach im Online-Kursbereich und ein anerkannter Experte auf seinem Gebiet. Mit einem Master of Science in Elektrotechnik verfügt er über umfangreiches technisches Wissen. In den letzten 10 Jahren hat Jan Drohnen nicht nur konstruiert und programmiert, sondern auch erfolgreich in großen Filmproduktionen wie "Deutschland von Oben" und verschiedenen Tatort-Folgen eingesetzt. Als aktiver Airline Pilot bringt er zudem wertvolles Fachwissen aus der professionellen Luftfahrt mit. Seine Erfahrung als Ausbilder für Airline-Piloten an einer renommierten Flugschule qualifiziert ihn besonders dafür, Lerninhalte effektiv und verständlich zu vermitteln. Jan Evers vereint Leidenschaft für Drohnen und Luftfahrt, was ihn zu einem exzellenten Coach und Mentor macht.








